Warum erzielen Privatanleger oft eine geringere Rendite als der Markt?

Veröffentlicht am 18. Apr. 2018 | Lesedauer ca. 4 min

Stellen Sie sich einmal folgende Szene vor: Dutzende von Menschen warten ungeduldig vor den Einkaufszentren. Vor ihnen bilden Sicherheitskräfte menschliche Absperrungen. Haben Sie so etwas vielleicht schon einmal gesehen? Und stellen Sie sich weiter vor, dass diese Szene ausgerechnet an dem Tag des Jahres stattfindet, an dem die Kleidungsstücke am teuersten sind. Die Leute stürzen sich auf die Auslagen, um 200 Euro für einen Mantel zu bezahlen, der vor einigen Wochen noch 100 Euro weniger kostete. Absurd, oder?

„Sobald sich in unseren Köpfen die Gefahr eines Verlustes abzeichnet, hören wir auf rational zu denken.“

Doch genauso handeln viele Menschen, wenn es um die Anlage ihrer Ersparnisse geht. Es ist dokumentiert, dass die höchsten Anlagezuflüsse in Aktien sehr oft zu Zeiten der höchsten Börsenkurse erfolgen. Hingegen sind die Einkaufszentren – auf unser Thema übertragen also die Aktienmärkte – an den Tagen der Schlussverkäufe, wenn man echte Schnäppchen machen kann, menschenleer.

Zu allem Überfluss wirkt hier auch unser soziales Belohnungssystem kontraproduktiv. Wenn wir vor unserem Nachbarn damit angeben wollen, dass wir einen guten Kauf in irgendeinem Geschäft getätigt haben, nennen wir ihm den günstigen Preis, zu dem wir gekauft haben oder den Nachlass auf jenen Preis, zu dem das Produkt ursprünglich in den Verkauf gegangen war. Bei Aktien hingegen erzählt man gerne, welchen Gewinn man mit ihnen realisiert hat. Die Frage, ob man billig gekauft hat oder nicht, ist dabei eher nebensächlich.

Der richtige Zeitpunkt für den Kauf von Fondsanteilen

Auswertungen zeigen ganz klar, dass – selbst wenn wir in den meisten Fällen grundsätzlich richtig liegen – , wir dennoch in den entscheidenden Momenten mit schöner Regelmäßigkeit Fehler begehen und wertvolle Chancen verpassen. So erzielte laut einer Studie des US-amerikanischen Beratungsunternehmens Dalbar (Quelle: Quantitative Analysis of Investor Behavior, 2014. Dalbar Inc.) die Gesamtheit der US-amerikanischen Anleger im Jahr 2013 mit ihren Aktienwerten im Durchschnitt Vermögenszuwächse in Höhe von 25,5 % – ein sehr hoher Wert, der aber sieben Punkte unter dem Ergebnis liegt, das erzielt hätte werden können, wenn die Zusammensetzung des S&P 500 repliziert worden wäre; der Index ist im gleichen Zeitraum nämlich um 32,41 % gestiegen.

Dieses im Vergleich zur Marktentwicklung schlechtere Ergebnis trat ein, obwohl die Gesamtheit der Anleger in 75 % aller Monate mit ihren Anlageentscheidungen richtig lag. In der Mehrheit aller Fälle, in denen – auf das Jahr 2013 bezogen – überdurchschnittlich hohe Mittelzuflüsse in Fonds verzeichnet wurden, verzeichneten die Indizes im Folgemonat eine positive Performance.

Worin lag also der Fehler? Er lag in den Entscheidungen, die von den Anlegern in den entscheidenden Momenten des Jahres getroffen wurden. Nachdem die stärksten Kursverluste verzeichnet worden waren, entschieden sich viele dazu, im Folgemonat zu verkaufen. Da sie Verluste erlitten hatten, zogen sie sich aus ihren Anlagen zurück, um weitere Vermögensverluste in ihren Portfolios zu vermeiden.  Das Problem bestand nun aber darin, dass diese Anleger jetzt nicht mehr an den Kursentwicklungen in den jeweiligen Folgemonaten teilhatten, als die Indizes mit guten bis sehr guten Ergebnissen die vorausgegangen Rückgänge weit mehr als wettmachten.

Wie können diese typischen Anlegerfehler vermieden werden?

Um es gleich vorwegzunehmen – es ist nicht ganz einfach, das beschriebene Verhalten zu vermeiden. Wenn wir sehen, dass die Kurse fallen, setzen unweigerlich bestimmte menschliche Reaktionsmuster ein. Möglicherweise handelt es sich bei diesen Reaktionen sogar um Verhaltensmuster, die wir von unseren Vorfahren ererbt haben. So wies die Psychologin Laurie Santos nach, dass wir die gleichen irrationalen, auf Risikoaversion begründeten Fehler begehen und Entscheidungen treffen, wie es die Kapuzineraffen tun. Sobald wir die Gefahr eines Verlustes wahrnehmen, setzt unser rationales Denken aus und wir folgen unseren Instinkten.

Ein gut erforschtes Verhaltensmuster in diesem Zusammenhang ist das sogenannte „Herdenverhalten“. Wenn von den Titelseiten der Zeitungen oder im Internet verkündet wird, dass die Kurse bald auf breiter Front nachgeben werden, wenn sich Finanzgurus zu Wort melden und vom bevorstehenden Crash orakeln, dann ist es für viele Menschen eine echte Herausforderung, ihre Anlagen beizubehalten, anstatt schnell zu verkaufen.

Grafik: Verhalten des Anlegers. Bitte beachten Sie: Alle in diesem Beitrag veröffentlichten Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Die enthaltenen Informationen stellen keine individuelle Beratung dar und können diese nicht ersetzen. Eine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen wird nicht übernommen.

Das Warten auf günstige Einstiegspreise kann zu geringere Renditen führen

Was können wir also tun? Zunächst einmal müssen wir akzeptieren, dass wir nachweislich nicht in der Lage sind, günstige Einstiegssituationen wahrzunehmen. Und selbst wenn wir verstandesmäßig wissen, dass es nach einem deutlichen Kursrückgang an der Zeit wäre einzusteigen, ist tatsächlich das Gegenteil zu beobachten – viele Anleger folgen dann ihren Emotionen und verkaufen.

Abgesehen davon, dass es uns schwer fällt, eine für einen Einstieg günstige Situationen als solche zu erkennen, kann das Warten auf diese Möglichkeiten insbesondere aber auch bedeuten, viele Monate guter Renditen zu verlieren und schließlich spät und schlecht anzulegen. Oft erst dann, wenn das Gefühl übermächtig wird, dass man am Ende nicht der Einzige sein möchte, der die gute Entwicklung an der Börse verpasst hat.

Anlageentscheidungen von Emotionen trennen

Eine der Lösungen für das Problem besteht darin, periodisch wiederkehrende Anlagen zu tätigen. Auf diese Weise lässt sich am besten vermeiden, Kauf- und Verkaufsentscheidungen von Gefühlen abhängig zu machen und somit letztlich willkürlich zu treffen. Der britische Fondsmanager John Templeton soll einmal gefragt worden sein, wie man den besten Zeitpunkt herausfinden könne, um Geld anzulegen. Dieser habe entgegnet, dass der beste Anlagezeitpunkt dann sei, wenn man Geld zum Anlegen habe.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, einen guten Berater an seiner Seite zu haben. Ein Berater, der die individuellen Lebensumstände seiner Kunden kennt und sicherstellt, dass seine Kundinnen und Kunden auch bei schwierigen Marktsituationen keine emotionalen Fehlentscheidungen treffen.

Oder um das erste Bild dieses Beitrags aufzugreifen: Ein Berater, der uns dabei hilft, dass wir uns nicht irgendwo in einer dieser Schlangen vor den Geschäften im Einkaufszentrum wiederfinden. Ein Berater, der dafür sorgt, dass wir unseren Mantel – und zwar genau den Mantel, den wir brauchen – zu diesem Zeitpunkt bereits gekauft haben.

 



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