Unsere Währung heißt Vertrauen

Veröffentlicht am 21. Jun. 2018 | Lesedauer ca. 4 min

Das Geschehen auf der Weltbühne bereitet vielen Anlegern Sorge: Brexit, der neue amerikanische Protektionismus und Turbulenzen auf dem europäischen Markt: Wie sollen Privatanleger damit umgehen und welche Strategie empfiehlt sich? Unser Gespräch mit Mirko Siepmann, Sprecher des Vorstands von Bankhaus August Lenz.

Herr Siepmann, eine viel zitierte Anlegerweisheit lautet: „Politische Börsen haben kurze Beine“. Sehen Sie diese angesichts der aktuellen Entwicklungen bestätigt?

Sie können sich bestimmt erinnern: Am Morgen nach dem Brexit haben die Börsen mit minus zehn Prozent eröffnet. Viele sprachen sogar vom nächsten Schwarzen Freitag. Dann hat sich alles relativ schnell wieder beruhigt. Das zeigt, wie diese Aussage zu verstehen ist: Politische Börsen haben ERST MAL kurze Beine. Auf lange Sicht sind natürlich auch andere Auswirkungen denkbar. Man muss sich also immer zuerst die langfristigen Trends anschauen und prüfen, ob man dafür optimal aufgestellt ist. Und das heißt: in aller Ruhe entscheiden und dann bei Bedarf die Anlagestrategie anpassen. Für die meisten Privatanleger ist die Börse ein Instrument zur langfristigen Geldanlage. Natürlich gibt es DayTrader unter ihnen, die von kleinen Kurssprüngen leben, aber in der Regel geht es um langfristige Geldanlagen und deshalb sind Entscheidungen auch auf diese Perspektive auszurichten.

Ich glaube, für den typischen Anleger aus Deutschland ist der Brexit nicht besonders relevant. Von unseren Kunden sind beispielsweise nur wenige substanziell in Großbritannien investiert. Viel wichtiger ist die Frage, was der Brexit für Europa bedeutet. Wird es unsere Staatengemeinschaft eher stärken oder vielleicht schwächen?

Werfen wir einen Blick über den Ozean. Kann der amerikanische Protektionismus zu einer Bremse für das weltweite Wachstum werden oder bringt er einen Aufschwung, von dem wir alle profitieren können?

Handel ist zweifellos einer der Haupt-Wohlstandstreiber der letzten Jahrzehnte. Nicht nur für Deutschland. Kommt es hier zu protektionistischen Tendenzen, ist das sicher nicht positiv. Man muss aber auch die globale Interessenlage sehen. Niemand will, dass die Welt insgesamt wieder ärmer wird. Wir sehen Verteilungskämpfe, weil sich einige – ob zu Recht oder zu Unrecht – benachteiligt fühlen. Auch hier hilft es, die Situation zu analysieren. Es gilt genau hinzuschauen, wo die Chancen in der Krise stecken. Wenn man als Anleger versuchen würde, auf jeden kleinen Impuls zu reagieren, tut man sich keinen Gefallen und wird nur nervös.

Wer die Nachrichten verfolgt, kann aber schnell den Eindruck gewinnen, dass „Krise“ zum chronischen Zustand der Weltwirtschaft geworden ist. Wie soll man sich als Anleger verhalten?

Die Anleger sind natürlich verunsichert und haben einen sehr emotionalen Blick auf die Lage. Dazu kommt das Gefühl der Machtlosigkeit. Schon allein die Frequenz der politischen Schlagzeilen ist beunruhigend. Anleger müssen lernen, mit diesen Schwankungen zu leben. Hier ist auf Beraterseite viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, um den Blick auf die positiven Entwicklungen zu lenken. Denn auch die gibt es: Aus Nordkorea kamen vor wenigen Monaten sehr beunruhigende Signale. Inzwischen gibt es offene Gespräche auf mehreren Seiten.

Die FAZ berichtete unter dem Titel „Beratungswahnsinn“ unlängst über die Hürden, die die EU-Richtlinie MiFID II Beratern und Anlegern in den Weg stellt. Wie geht Bankhaus August Lenz damit um? Welche Rolle spielt das Vertrauensverhältnis zwischen Family Bankern® und Kunden?

Für uns als Bank war Aufklärung und vor allem Begleitung immer entscheidend. Begleiten heißt für uns, da zu sein und zwar kontinuierlich, nicht nur in guten Zeiten. Wir sind näher am Kunden, sodass wir in jeder Situation Mehrwerte aufzeigen können. Man könnte fast sagen: Für uns als Bank bietet Volatilität eine Chance. Unsere Beratung wird auch regelmäßiger, in den Intervallen kürzer. Mit den sozialen Medien haben wir heute ganz andere Möglichkeiten, unsere Kunden schneller und breiter zu informieren. Darauf bauen unsere 1:1-Gespräche dann auf und vertiefen die Beratung.

Klar, durch MiFID II ist die Dokumentationspflicht größer geworden und das stellt eine zeitliche Belastung dar. Das gilt natürlich auch für das Vertrauensverhältnis zum Kunden. Für Banken, die ihre Anleger nicht so eng kennen wie wir, ist das eine Hürde. Bei vielen Dingen versteht der Kunde gar nicht, warum muss meine Bank das wissen, man kennt sich doch?

Unsere Philosophie war es schon immer, transparent zu sein, unsere Empfehlungen verständlich zu machen und das auch zu dokumentieren.

Wir haben unsere Beraterinnen und Berater dafür sehr früh mit digitalen Tools unterstützt. Nach dem Motto: „Wenn einem das Leben Zitronen gibt, mach Limonade daraus.“ Unser Schulungsaufwand wächst seit Jahren kontinuierlich. Web-Based-Trainings werden wichtiger, gerade die technischen und rechtlichen Aspekte können dadurch sehr gut abgebildet werden. Aber auch die Intensität unserer Präsenz-Trainings nimmt zu. Wir achten sehr darauf, das Vertrauensverhältnis zwischen unseren Family Bankern® und unseren Kunden zu pflegen: Wie begleiten wir Anleger, wie gehen wir mit ihren Ängsten und Sorgen um?

Auch wenn unsere Geschäftsprozesse digitaler werden: Vertrauen ist und bleibt unsere wichtigste Währung.

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