Rückblick 2018 und Ausblick auf 2019

Veröffentlicht am 7. Dec. 2018 | Lesedauer ca. 4 min

 

Was tun Anleger, wenn der Deutsche Aktienindex (Dax) schwächelt? Ganz einfach: Sie behalten ihn weiter im Blick – so wie andere Indizes auch. Anlagechancen gibt es schließlich auf der ganzen Welt. Gut, wenn das auch Ihr Portfolio weiß. Was war 2018 wichtig – und welche Empfehlungen lassen sich daraus für die Zukunft ableiten? Unser Gespräch mit Mirko Siepmann, Sprecher des Vorstands von Bankhaus August Lenz.

Herr Siepmann, 2018 gab es zwei wichtige Jubiläen in der deutschen Finanzbranche: 30 Jahre Deutscher Aktienindex und 50 Jahre Geldautomat. Bleiben wir zunächst beim DAX, der Ende Januar noch 13 189,5 Punkte aufwies und seitdem deutliche Einbußen verzeichnet hat: Stand heute (30.11.2018) liegt er bei 11 257,24 Punkten. Was raten Sie verunsicherten Anlegerinnen und Anlegern?

Verunsicherung spüren wir bei unseren Kundinnen und Kunden keine. Das mag daran liegen, dass wir empfehlen, immer auf zwei Dinge zu achten: Erstens international anlegen und zweitens gut diversifizieren. Deshalb hat der DAX bei den wenigsten unserer Kunden mehr als 10 % Anteil. Natürlich registrieren alle, dass er gerade schwächelt. Wir spüren die Verunsicherung eher an Themen wie Brexit an weltweiten Handelsstreits, also an den fundamentalen Themen, und an den globalen Trends. Mit unserem Ansatz, international anzulegen und breit zu diversifizieren, sind die Kunden sehr gut aufgestellt. Unsere Family Banker® versuchen jedem Anleger deutlich zu machen, dass der sogenannte Home-Bias-Ansatz – sich also bei der Geldanlage vorrangig auf Deutschland zu konzentrieren – wenig sinnvoll ist. Manch eine Anlegerin oder ein Anleger mag sich zwar auf den ersten Blick wohler fühlen, in der Heimatregion investiert zu sein. Aber das führt unweigerlich zu einer Risiko-Konzentration, die sehr einseitig ist – und manchmal eben gefährlich sein kann.

Was grundsätzlich gilt, völlig unabhängig, wo genau Sie investieren wollen oder investiert sind: erhöhte Aufmerksamkeit. Das ist auch bei breiter Diversifikation ratsam, denn die Risiken nehmen insgesamt zu. Deshalb gilt es für unsere Family Banker® in der Gesamtbetrachtung immer zu berücksichtigen: Welche wirtschaftlichen Trends herrschen vor, welche Verschiebungen haben wir im Technologiebereich, welche gesellschaftlichen Treiber und politischen Einflussfaktoren gibt es und welche Anlagestrategie lässt sich für die zu erwartende Entwicklung ableiten?


Bitte beachten Sie: Dieses Dokument dient Werbezwecken. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Vor 50 Jahren wurde der erste Geldautomat in Deutschland aufgestellt. Die Liebe zum Bargeld scheint noch immer ungebrochen. Wird sich das ändern, wenn Google und Apple ihre Bezahlsysteme im Markt auf breiter Basis etabliert haben?

Wenn ich vorab etwas ergänzen darf: Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, dass wir ein recht bedeutender Player im Bereich Bargeld sind. Das Bankhaus August Lenz betreibt 2 400 Geldautomaten, das heißt, wir stellen 5 % der Automatenstandorte in Deutschland! Wir beobachten die Lage daher sehr genau. Sie spielen sicher darauf an, dass Bargeld immer wieder als „Auslaufmodell“ beschrieben wird, das lesen wir ja seit Jahren, ob im Zusammenhang mit der Geldkarte oder mit anderen Dingen – aber ich kann Ihnen versichern: Wir sehen es nicht in unserem Geschäft. Wir beobachten eher, dass unsere Kunden mehr Bargeld abheben. Und wir nehmen auch eine Verschiebung wahr. Was Sie angesprochen haben, ist sehr stark getrieben einerseits durch Bequemlichkeit, andererseits liegt es aber auch daran, dass einige Banken versuchen, das Bargeld zu verdrängen, weil es für sie zu kostenintensiv ist oder einfach weil sie versäumt haben, es adäquat zu betreiben. Wir dagegen stellen fest, dass Kunden den Vorteil von Bargeld schätzen und der zentrale Vorteil hier ist Datenschutz. Bargeld ist das Instrument, das es mir ermöglicht, Dinge zu tun und die Hoheit darüber zu behalten. Es genießt in der Bevölkerung nach wie vor ein sehr hohes Vertrauen. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Liebe zum Bargeld noch eine ganze Zeitlang anhält. Solange es nicht irgendwelche externen Einflüsse, beispielsweise regulatorische Hürden seitens des Gesetzgebers gibt.

Am häufigsten verwendete Zahlungsmethoden im deutschen Einzelhandel pro Transaktion 2017

Quelle: Deutsche Bundesbank (https://www.bundesbank.de/resource/blob/670998/afc1999829cff450e19ff3e64ad05b09/mL/zahlen-und-fakten-data.pdf).

Sie müssen auch sehen: Die in der Presse genannten Zahlen stellen meist den relativen Anteil dar – die absoluten Zahlen zeigen ein anderes Bild. Zudem gibt es europaweit Unterschiede. Das Paradebeispiel, wo Bargeld zurückgedrängt wird, ist sicherlich Skandinavien, wofür es sicher auch topologische, geografische Gründe gibt. In wenig besiedelten Gebieten ist es vergleichsweise teuer, Bargeld überall hinzubringen. Zudem haben Sie in Skandinavien ein anderes Verhältnis zu Geld und Datenschutz. Da ist zum Beispiel die Steuererklärung jedes Bürgers öffentlich und Sie können auch sehen, zu welchen Preisen Grundstücks-Transaktionen in Ihrem Umfeld stattgefunden haben. Den Trend, dass Bargeld rückläufig ist, beobachten wir auch in den Niederlanden und in Großbritannien. Wir sehen aber auch andere Länder, in denen Bargeld weiterhin stark ist. Zum Beispiel im südeuropäischen Raum.
Vgl. dazu Esselink, H. and Hernández, L.,The use of cash by households in the euro area, ECB Occasional Paper Series No 201, November 2017: „The use of cash and cards differs according to country, place of purchase, transaction value and consumers’ demographic characteristics. In terms of number of transactions, cash was most used in the southern euro area countries, as well as in Germany, Austria and Slovenia, where 80 % or more of POS transactions were conducted with cash. Cash was least used in the Netherlands, Estonia and Finland, where its share in the number of transactions ranged between 45 % and 54 %. In terms of value, the share of cash was highest in Greece, Cyprus and Malta (above 70 %), while it was lowest in the Benelux countries, Estonia,France and Finland (at, or below, 33%); Quelle: https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/scpops/ecb.op201.en.pdf; S. 5.

Über die Auswirkungen von MiFID2 auf Kunden und Banken haben wir bereits im letzten Interview gesprochen und auch Ihr Kollege Marco Patrone hat mit seinem Bericht aus der Praxis eine erste Zwischenbilanz gezogen. Welche Auswirkungen hat die ebenfalls seit Januar in Kraft getretene PSD2-Verordnung auf Verbraucher und Banken?

Aktuell wenig, weil wir uns in der ersten Phase bewegen. Das für die Verbraucher spannende Thema ist Transparenz. Die Banken müssen sich öffnen und anderen Banken und Zahlungsdienstleistern Zugriff auf ihre Kundendaten bieten. Wenn das erfolgt – Mitte/Ende 2019 –, kann das schon zu Bewegung führen und das klassische deutsche Hausbankprinzip etwas aufweichen. Weil es den Kunden Möglichkeiten bietet, ihr Geld mit neutralen Anwendungen zu managen und nicht unbedingt mit Banklösungen. Das ist sicherlich ein Riesenvorteil aus Verbrauchersicht – und gleichzeitig eine Herausforderung für Banken: Wie positionieren sie sich in diesem Umfeld? Das wird 2019 beginnen und 2020 wird sich zeigen, wie die Kunden damit umgehen.

Es gibt sicherlich eine klare Trennung zwischen Information – also der klassischen Kontoführung, der Transaktion – und der Beratung. Unser Kerngeschäft ist Beratung und Begleitung. Und da sehen wir nach wie vor gute Chancen, uns zu positionieren und uns noch stärker von unseren Wettbewerbern unterscheiden.

Was genau steckt hinter PSD2?
Die im Oktober 2015 verabschiedete überarbeitete und im Januar 2018 in Kraft getretene EU-Richtlinie für Zahlungsdienste (PSD2) hat zum Ziel, Bezahlvorgänge im Internet bequemer, billiger und vor allem sicherer zu machen. Sie beendet das Monopol der Banken auf Kontoinformationen und will den Wettbewerb im Zahlungsverkehr fördern. Künftig können Bankkunden den Zugriff auf ihre Kontoinformationen für andere Serviceanbieter freigeben. Damit können Drittanbieter Bezahlvorgänge direkt auslösen – ohne den Umweg über die Banken gehen zu müssen. Darüber hinaus verlangt die PSD2 eine starke Authentifzierung, um Zahlungsvorgänge abzuschließen.
Weitere Infos finden Sie auch im Blog des Bankenverbands, der sich mit den neuen Regeln im Zahlungsverkehr und den damit verbundenen Änderungen beschäftigt.

Noch einmal zum Stichwort Transparenz: Seit Ende Oktober sind die Regelungen zur Entgelttransparenz des Zahlungskontengesetzes (ZKG) in Kraft getreten. Was hat es mit dieser Bestimmung auf sich und welche Vorteile entstehen dadurch für Kundinnen und Kunden?

Der Vorteil für Bankkunden ist, dass sie einmal im Jahr in übersichtlicher, zusammengefasster Form sehen, was sie tatsächlich für ihre Zahlungsdienstleistungen gezahlt haben. Bisher haben sie zwar Preisverzeichnisse oder ähnliche Dinge bekommen, aber es fehlte die Gesamtabrechnung. Meist haben Banken quartalsweise abgerechnet oder über Einzelpositionen. Jetzt gibt es eine Gesamtabrechnung, wie sie in vielen anderen europäischen Ländern zum Teil schon länger üblich ist: Der Kunde muss einmal im Jahr diese Übersicht bekommen. Unserem Bankhaus kommt das sehr entgegen, weil klassische Bankgeschäfte für uns eine Nebendienstleistung sind. Unser Kerngeschäft ist es, die Kunden in ihrem täglichen Tun, aber auch in ihrem Lebensplan umfassend zu verstehen und sie in allen Finanzfragen zu begleiten. Da ist es fast selbstverständlich, dass wir ihnen das Konto kostenlos anbieten und dass wir für Überweisungen oder für eine Girocard nichts berechnen. Ich glaube, da sind wir anderen ein paar Schritte voraus.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Siepmann! Verraten Sie uns noch, wie Sie privat das Jahr beschließen?

Auch wenn man sich das jetzt noch kaum vorstellen kann: Ich hoffe, dass Schnee fällt. Wir fahren gerne Ski und wir freuen uns schon darauf, das Weihnachts- und Silvesterfest in schöner Atmosphäre und weißer Winterpracht zu genießen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen schöne Feiertage!



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