Behavioral Finance I – Heuristiken oder: Alles könnte so einfach sein

Veröffentlicht am 10. May. 2019 | Lesedauer ca. 4 min

Im Grunde sollten Investitionsentscheidungen immer rational und unter Berücksichtigung aller vorhandenen Informationen getroffen werden. Doch wann liegen uns schon wirklich alle Informationen vor? Außerdem wird die Wahrnehmung und Verarbeitung der vorliegenden Informationen häufig von Wünschen, Ängsten, Hoffnungen, Gier, sozialem Druck und anderen Faktoren beeinflusst. Damit Sie auch in stressigen oder emotionalen Situationen rationale Entscheidungen treffen können, möchten wir Sie in unserer Serie mit den Erkenntnissen der Behavioral-Finance-Forschung vertraut machen.

 

Information Overload und Heuristiken

Die Menge an Informationen, die wir aufnehmen und verarbeiten können, ist von Natur aus begrenzt. Das führt dazu, dass wir unbewusst auswählen und abwägen, was uns wichtig erscheint, und vieles andere ausblenden. „Heuristiken“ sind so etwas wie Daumenregeln, die unser Gehirn nutzt, um mit begrenztem Wissen und wenig Zeit Entscheidungen zu treffen.

Heuristik

Laut Gabler Wirtschaftslexikon ist Heuristik „eine Vorgehensweise zur Lösung von allgemeinen Problemen, für die keine eindeutigen Lösungsstrategien bekannt sind oder (die) aufgrund des erforderlichen Aufwands nicht sinnvoll erscheinen; beinhaltet in erster Linie ‚Daumenregeln‘ auf der Grundlage subjektiver Erfahrungen und überlieferter Verhaltensweisen. Heuristik wird vor allem in schlecht strukturierten und schwer überschaubaren Problembereichen angewendet.“

Diese automatisierten Entscheidungsregeln haben den Nachteil, in bestimmten Kontexten zu Fehlentscheidungen zu führen. Sie sind nicht rational, sondern durch evolutionäre Prozesse gefestigt. Hier ein paar Beispiele:

Mental Accounting

Eine Möglichkeit, komplexe Sachverhalte zu vereinfachen, ist das „Mental Accounting“. Diese Theorie geht auf den Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler zurück. In seinem Experiment wies er nach, dass wir Zahlungen auf unterschiedlichen „geistigen Konten“ verbuchen – und diese Konten dann behandeln, als wären sie völlig unabhängig voneinander. So werden mögliche Zusammenhänge ausgeblendet und Risiken falsch eingeschätzt.

Thalers Experiment

Die Teilnehmer des Experiments wollen für 10 Dollar ins Theater gehen. Teilnehmergruppe 1 bekommt gesagt, sie stünde vor dem Theater, hätte die Karte verloren und müsste diese neu kaufen. 56% sind nicht dazu bereit, die Karte noch einmal zu kaufen. Mental werden diese 10 Dollar dem Konto „Kauf Theaterkarte“ zugeschrieben. Die Karte würde also 20 Dollar kosten und damit mehr, als den Probanden der Theaterbesuch wert ist.

Gruppe 2 sollte erst an der Abendkasse die Karte für 10 Dollar kaufen. Diesen Teilnehmern wurde gesagt, sie hätten unterwegs 10 Dollar Bargeld verloren und müssten nun die Karte zahlen. Hier entscheiden sich 88% zum Kauf der Karte. Mental werden 10 Dollar dem Konto „Verlust Bargeld“ zugeschlagen, der mentale Preis der Eintrittskarte bleibt bei 10 Dollar.

Verfügbarkeitsheuristik

Zudem schätzen wir Ereignisse umso wahrscheinlicher ein, je leichter wir uns ähnliche Ereignisse in Erinnerung rufen können. Einfluss darauf haben – neben der subjektiven Häufigkeit – Aktualität, Auffälligkeit, Anschaulichkeit und die affektive Kongruenz. Wird in den Medien von einem Flugzeugabsturz berichtet, schätzen wir die Wahrscheinlichkeit von Flugzeugabstürzen in nächster Zeit höher ein – aufgrund der Aktualität und Auffälligkeit des Ereignisses. Ebenso kann uns die schillernde Erzählung eines Freundes dazu bringen, wider rationale Argumente, zu seiner anschaulich vermittelten Information zu tendieren. Und zu guter Letzt spielen auch Gefühle eine wichtige Rolle: Unsere Erinnerungen werden mit der zugehörigen Stimmung abgespeichert. Sind wir in einer ähnlichen Stimmung, werden dazu passende Erinnerungen leichter abgerufen. Das nennt man affektive Kongruenz. Sie kann Anleger dazu verführen, aufgrund von erfolgsbedingter guter Laune zu positive Kursprognosen zu stellen, ebenso wie die Marktlage aufgrund vorangegangener Misserfolge zu negativ eingeschätzt werden kann.

Primat- und Priming-Effekte

Interessant ist auch der „Primat-Effekt“: Demnach beeinflussen zuerst genannte Informationen unseren Wahrnehmungs- und Beurteilungsprozess stärker als die folgenden. Der erste Eindruck spielt hier offenbar eine zentrale Rolle. Von „Priming-Effekten“ dagegen spricht man dann, wenn die Wirkung negativer Nachrichten, beispielsweise bei Ad-hoc-Meldungen von Aktiengesellschaften, bewusst dadurch abgeschwächt wird, dass positive Meldungen vorausgeschickt werden. Wir nehmen unangenehme Inhalte positiver auf, wenn wir vorher in spezifischer Weise positiv „geprimt“ wurden.

 

Dies sind nur einige Beispiele von Heuristiken, mit denen wir die Masse an Informationen zu bewältigen versuchen. Doch da diese unbewusst, absichtslos und unwillkürlich ablaufen, können sie zu Fehlentscheidungen führen. Das Bankhaus August Lenz legt großen Wert darauf, dass Family Banker® und Family Bankerinnen solche Effekte erkennen und ihren Kunden in der täglichen Kundenberatung helfen, diese zu überwinden.



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