Behavioral Finance II – Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung

Veröffentlicht am 8. Jul. 2019

Dürfen wir Sie um eine spontane Einschätzung bitten? Wägen Sie als AnlegerIn Chancen und Risiken nüchtern ab, bevor Sie eine Entscheidung treffen – oder lassen Sie sich möglicherweise von Faktoren beeinflussen, die Ihnen gar nicht bewusst sind?

Falls Sie noch überlegen: Vermutlich sehen Sie klarer, wenn Sie diesen Beitrag über Behavioral Finance gelesen haben. Wir beleuchten in unserer Serie „Behavioral Finance“ Verhaltensmuster, die Anleger zu Fehlentscheidungen verleiten können. Nur wer diese Muster kennt, kann sich erfolgreich davor schützen. Schließlich ist Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung.

 

Ankereffekte

Eine typische Fehlerquelle bei Entscheidungen sind Einschätzungen und Bewertungen, bei denen wir uns an einem falschen Richtwert orientieren. Beim Versuch, komplexe Sachverhalte zu vereinfachen, wählen wir oft Orientierungspunkte (Anker), die in ganz anderem Zusammenhang stehen. Sei es, dass wir Aktienkurse nach dem Einstandskurs bewerten oder uns an einer absoluten Zahl orientieren, beispielsweise einem DAX-Stand von 11.000 Punkten, anstatt uns die prozentuale Entwicklung und die Marktpotenziale genauer anzusehen. Das sollte uns als Anleger zu denken geben: Um Werte oder Risiken bei Investitionen bemessen zu können, sucht unser Gehirn intuitiv nach Vergleichswerten – leider sind diese oft irrelevant. Daher ist es wichtig, sich klar zu machen: Die Vergangenheit sagt nichts über die Zukunft, und daher kehren Aktien auch nicht zwangsläufig irgendwann zu ihrem Ursprungswert zurück.

Ein Beispiel für Ankereffekte:

Bei Untersuchungen sollten Probanden die letzten beiden Ziffern ihrer Postleitzahl auf einen Zettel schreiben und wurden daraufhin gefragt, für welchen Preis sie ein Produkt, z.B. eine Flasche Wein, kaufen würden. Der Zusammenhang ist vollkommen willkürlich, dürfte also eigentlich keinen Effekt haben. Doch tatsächlich nannten Probanden mit einer kleinen Endziffer auch einen kleineren Preis für die Flasche Wein als Probanden mit einer großen Endziffer.

Übrigens nutzt auch der Einzelhandel den Ankereffekt: Bei Preisen mit einem 99-Cent-Betrag (1,99 € oder 2,99€) wirkt die Zahl vor dem Komma wie ein Anker.

Repräsentativitätsheuristik

Bei der Repräsentativitätsheuristik wird die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen danach bewertet, wie genau sie bestimmten Prototypen entsprechen. Die geschätzte Übereinstimmung wird als Grundlage für die Urteilsbildung genommen. Vereinfacht ausgedrückt geht es hierbei darum, ob eine Beobachtung in ein Schema passt. Jeder Mensch hat eine Vielzahl von Schemata im Kopf, die er sich im Laufe seines Lebens angeeignet hat. Die Repräsentativität ist hoch, wenn die Beobachtung gut in ein Schema passt (repräsentativ dafür zu sein scheint), und niedrig, wenn nicht.

Die Repräsentativitätsheuristik kann auf dreierlei Weisen zu Urteilsverzerrungen führen:

  1. Die Wahrscheinlichkeit von repräsentativen Ereignissen wird überschätzt.
  2. Empirische Zusammenhänge werden überschätzt.
  3. Kausale Zusammenhänge werden überschätzt oder dort gesehen, wo es keine gibt.

 

Beispiel für die Repräsentativitätsheuristik: Der Spielerfehlschluss („gambler´s fallacy“)

Wer im Casino am Roulette sitzt, weiß, dass die nächste Zahl vom zufälligen Lauf der Kugel bestimmt wird. Geht nun ein Spieler davon aus, dass ein zufälliges Ereignis wahrscheinlicher wird, wenn es längere Zeit nicht eingetreten ist, oder unwahrscheinlicher, wenn es kürzlich gehäuft eingetreten ist, liegt ein logischer Fehlschluss vor.

So auch, als am 18. August 1913 in Monte Carlo die Kugel 26 Mal hintereinander auf Schwarz landete. Das Casino verdiente Millionen, da die meisten Spieler auf Rot setzten und gar kein Geld mehr hatten, als beim 27. Mal tatsächlich Rot kam. Davon bekam der Spielerfehlschluss seinen Namen. Anleger, die denken „was fällt, muss auch wieder steigen!“, können ebenfalls Opfer der „gambler’s fallacy“ werden.

Überschätzung repräsentativer Ereignisse („conjunction fallacy“)

Häufig überschätzen wir Menschen auch die Wahrscheinlichkeit verbundener Ereignisse. Im Prinzip geht es dabei um Vorurteile (ein Vorurteil ist auch ein Schema). So wird im „Linda-Beispiel“ von Probanden die Aussage „Linda ist Bankangestellte und aktiv in der Frauenbewegung“ für wahrscheinlicher gehalten als die Aussage „Linda ist Bankangestellte“, nachdem beschrieben wurde, dass sie Philosophie studiert hat, kein Blatt vor den Mund nimmt und sich intensiv mit Fragen sozialer Gerechtigkeit befasst hat. Logischerweise ist ein einzelnes Ereignis immer wahrscheinlicher als mehrere miteinander verbundene. Dennoch erschien ihnen die erste Aussage plausibler als die zweite.

Überschätzen von empirischen und kausalen Zusammenhängen

Wie stark die Verzerrungen durch die Repräsentativitätsheuristik sein können, zeigt sich daran, dass wir sogar Zusammenhänge wahrnehmen, die nicht vorhanden sind. Viele Menschen schließen von der Vergangenheit direkt auf die Zukunft, bilden also aus einem empirischen Zusammenhang einen kausalen.

Das zeigt auch ein Test, bei dem Anleger aufgefordert waren, zwei Tage lang zwei Analysten zu beobachten, die ihre Prognosen über die Entwicklung des Dollarkurses abgaben. Analyst 1 machte an beiden Tagen zwei richtige Prognosen, Analyst 2 lag zweimal falsch. Bei der nächsten, neu anstehenden Prognose schenkten Anleger dem Analysten 1 natürlich erheblich mehr Glauben. Der Grund dafür ist, dass die richtigen beziehungsweise falschen Prognosen zu Schemata geworden sind: „Analyst 1 hat (typischerweise) die höhere Trefferwahrscheinlichkeit, während Analyst 2 (typischerweise) falsche Prognosen bringt.“ Die Anleger gehen also davon aus, dass das in der Vergangenheit gebildete Schema auch in Zukunft gilt. Nur weil Analyst 1 zweimal in Folge falsch gelegen hat, muss er aber nicht der schlechtere sein – er könnte einfach nur zwei Mal in Folge Pech gehabt haben.

 

Dieses Beispiel zeigt: Als Anleger tun wir gut daran, uns vor Fehleinschätzungen zu schützen. Ihr Family Banker®, Ihre Family Bankerin ist mit den Erkenntnissen der Behavioral Finance vertraut und setzt sich stets dafür ein, fundierte Informationen zu sammeln und alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen, bevor eine Anlageentscheidung getroffen werden kann. Er oder sie ist Ihr fachkundiger Sparringspartner, wenn es um Investitionen geht. Genießen Sie das gute Gefühl, auf eine seriöse Finanzberatung bauen zu können.



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