Behavioral Finance IV: Dissonanz? Harmoniebedürftig!

Veröffentlicht am 10. Feb. 2020 | Lesedauer ca. 3 min

Wir Menschen streben nach Harmonie in unserem Leben, auch im Bereich der Geldanlagen. Die Behavioral Finance zeigt, zu welchen Fehlern uns die Erfüllung dieses Bedürfnisses und somit die Vermeidung von Dissonanz treibt und wovor wir uns in Acht nehmen müssen.

Zu den wesentlichen psychischen Bedürfnissen des Menschen gehört die Harmonie. Sie beeinflusst das Verhalten von Anlegern und lässt sich in drei Dimensionen unterscheiden: Wahrnehmung, Entscheidung und Bewertung.

Dissonanz: Widersprüche in Denken und Wahrnehmung

Innere Widersprüche gefährden die Harmonie, sie werden als Dissonanzen bezeichnet. Daher sind gemäß der Theorie der kognitiven Dissonanz (Festinger, 1957) Menschen bestrebt, Unstimmigkeiten in Denken und Wahrnehmung schnellstmöglich zu beseitigen, um wieder Harmonie herzustellen. Dafür werden Kognitionen so manipuliert, dass sie zu den anderen passen.

Ein Beispiel, das durch einen Dilbert-Comic sehr bekannt sein dürfte: Ein Arbeitnehmer hat einen Job, den er nicht leiden kann, dennoch arbeitet er weiterhin freiwillig jeden Tag dort. Um die daraus entstehende Dissonanz zu reduzieren, wird die Kognition geändert: Es gibt für ihn nur eine logische Erklärung, warum er das tut – er liebt seinen Job.

Wichtig ist dabei natürlich auch die Stärke der Dissonanz. Diese hängt vom Commitment ab, der persönlichen Bindung an eine Entscheidung.

Commitment: Wichtige Einflussgröße

Das Commitment wiederum hängt von vier Faktoren ab, deren wichtigster die Entscheidungsfreiheit ist: Ohne die Freiwilligkeit einer Entscheidung kann keine kognitive Dissonanz entstehen, wie Frey & Gaska 1998 nachwiesen. Sie ist somit eine Grundvoraussetzung für Dissonanz. Außerdem sind Verantwortung, Normabweichung und irreversible Kosten für die Höhe des Commitments ausschlaggebend.

Befriedigung des Bedürfnisses

Wahrnehmung Selektive Wahrnehmung

Bei der Selektiven Wahrnehmung werden zur Vermeidung von Dissonanz gezielt Informationen gesucht, die den eigenen Entschluss bekräftigen, und die ausgeblendet, die dagegen sprechen. Somit wird eine verzerrte Wahrnehmung erzeugt, die für den Anleger zu massiven Problemen führen kann.

Entscheidung Selektives Entscheiden

Anleger reagieren bei Verlusten häufig später, um Dissonanz zu vermeiden. Das unterstützen selektive Entscheidungen: „Was man einmal begonnen hat, muss man auch zu Ende führen.“ Hier ist der Sunk-cost-Effekt der Grund, warum Menschen mit unvernünftigen Entscheidungen versuchen, einen Verlust doch noch zu einem Gewinn zu machen. Das berühmteste Beispiel für selektives Entscheiden dürfte der Zusammenbruch der Barings Bank sein: In der Hoffnung, den japanischen Aktienmarkt beeinflussen zu können, setzte Nick Leeson alles auf eine Karte – und verlor.

Bewertung Verlust- und Regretaversion

Auf der Bewertungsebene geht es darum Dissonanzen von vorneherein zu vermeiden. So stellen Anleger Gewinne häufig schnell glatt, um gar nicht erst in dissonante Kognitionen zu kommen – die sogenannte Dissonanzantizipation. Die Verlustaversion hängt von der Höhe des Commitments für eine Entscheidung ab: je höher das Commitment, desto höher auch die Angst zu verlieren.

Fazit

In unserem Bestreben, die innere Harmonie aufrechtzuerhalten, greifen wir auf drastische Mittel wie selektive Wahrnehmung oder selektives Entscheiden zurück. Doch Informationen zu ignorieren oder an schlechten Entscheidungen festzuhalten, führt nur zu weiteren Problemen. Ihr Family Banker®, Ihre Family Bankerin ist mit den Erkenntnissen der Behavioral Finance vertraut und unterstützt Sie dabei, alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen.



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