Behavioral Finance V: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Veröffentlicht am 9. Mrz. 2020 | Lesedauer ca. 3 min

Wir Menschen sind Kontrollfreaks – das Unkontrollierbare macht uns Angst. Zu welchen Mitteln wir greifen, um (vermeintlich) die Kontrolle über unser Leben zu behalten, und welche Risiken daraus für Anleger entstehen, möchten wir Ihnen nun vorstellen.

 

Das Kontrollbedürfnis gehört zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen: Wir möchten uns als Verursacher von Veränderungen in unserer Umwelt fühlen, das gibt uns das Gefühl von Kompetenz und beeinflusst unseren Selbstwert positiv.

Erleben wir uns als machtlos, kann es zu gelernter Hilflosigkeit kommen. Diese Theorie besagt, dass nach längerer fehlender Kontrollwahrnehmung Beeinträchtigungen auftreten: Das Kontrollbedürfnis lässt nach, die Fähigkeit, Wirkungszusammenhänge zu erkennen, nimmt ab, und schließlich fürchten wir uns, was bei Anlegern zu einem Rückzug vom Aktienmarkt führt.

Doch das ist ein Worst-Case-Szenario. Vorher versuchen wir auf vielfältige Weise unser Gefühl von Kontrolle aufrechtzuerhalten.

Formen von Kontrolle

Wenn wir von Kontrolle sprechen, muss zunächst festgelegt werden, ob wir diese als bei uns (interne Kontrolle) verankert oder als von außen kommend wahrnehmen (externe Kontrolle). Gemäß den Untersuchungen zu diesem „Locus of control“ (Rotter, 1966) haben erfolgreiche Menschen ein stärkeres Gefühl interner Kontrolle, weswegen wir uns im Folgenden auf diese Form der wahrgenommenen Kontrolle konzentrieren.

Die hier vorgestellten fünf Kontrollvarianten sind nach absteigendem Kontrollgrad sortiert. Je nach Art der wahrgenommenen internen Kontrolle können Anlegern unterschiedliche Fehler passieren:

  • Kontrolle durch Beeinflussung: spielt bei Anlegern keine große Rolle, da sie wissen, dass sie den Markt nicht beeinflussen können.
  • Kontrolle durch Vorhersage: Darauf gehen wir noch ausführlich ein.
  • Kontrolle durch Kenntnis der Einflussgrößen: die häufigste Form bei Anlegern. Wir sind uns der Einflussgrößen bewusst, die ein Ereignis bedingen, ohne selbst Einfluss darauf nehmen zu können. Das führt häufig zum Home bias: Wir glauben, über unseren heimischen Markt besser informiert zu sein, und investieren dann dort.
  • Nachträgliches Erklären von Ereignissen: Dabei wird versucht, durch das Geschehene auch Erkenntnisse über das Zukünftige zu erhalten. So entstand beispielsweise der Mythos des Crash-Monats Oktober. Andere Erklärungsansätze, wie vielleicht eine Währungskrise, die sich nur zufällig im Oktober ereignet hat, werden außen vor gelassen.
  • Kontrolle durch Schönfärberei: Verluste werden heruntergespielt oder als Lehrgeld betrachtet. Hier wird die Wahrnehmung oder Einstellung verändert, um sich das Ereignis schönzureden.

Jeder Mensch nutzt diese vermeintlichen Kontrollmöglichkeiten. Wichtig ist, dass wir uns dessen bewusst sind, um die damit in Verbindung stehenden Fehler vermeiden zu können.

Kontrolle durch Vorhersage

Eine Form von Kontrolle, die wir uns genauer ansehen wollen, ist die Kontrolle durch Vorhersage, denn hier gibt es mehrere Effekte, vor denen wir als Anleger auf der Hut sein müssen. Vor allem greift hier die Kontrollillusion. Menschen mögen das Unberechenbare nicht, Zufälle machen uns Angst. Daher schaffen wir uns ein Gefühl von Kontrolle, indem wir denken, wir könnten Dinge vorhersagen.

Das wird unterstützt von der sogenannten Story Fallacy: Dinge erscheinen uns mit einer guten Geschichte berechenbarer, weil wir Geschichten leichter verinnerlichen als Fakten. Das Gefährliche daran ist, dass wir uns von einer guten Geschichte oftmals zu schlechten Entscheidungen verleiten lassen. In Anlagedingen gilt: Wenn ich von etwas sehr begeistert bin, ist es meist keine gute Idee.

Auch die Overconfidence, das Überschätzen unserer Fähigkeiten, dient häufig dazu, unsere Kontrollillusion aufrechtzuerhalten. Hier besteht ein enger Zusammenhang mit Kompetenz: Für je fachkundiger wir uns halten, desto eher überschätzen wir uns. Dass das gefährlich für Anleger ist, versteht sich von selbst.

Fazit

Getrieben von der Erfüllung unseres Bedürfnisses nach Kontrolle gibt es zahlreiche Fallen, in die wir als Anleger tappen können. Einige – wie die Kontrollillusion – braucht der Markt, um existieren zu können: Ohne Akteure, die unterschiedliche Prognosen treffen, würde kein Geschäft zustande kommen. Andererseits ist es natürlich unser oberstes Ziel, uns als Anleger vor solchen Fehlern zu schützen. Ihr Family Banker®, Ihre Family Bankerin ist mit den Erkenntnissen der Behavioral Finance vertraut und setzt sich stets dafür ein, fundierte Informationen zu sammeln und alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen.



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