Pflege – das unterschätzte Risiko

Veröffentlicht am 12. Mai. 2020 | Lesedauer ca. 3 min

Das Thema „Pflege“ gehört in der privaten Vorsorge zu den am häufigsten unterschätzten Bereichen. Auf der einen Seite ist es ein unbequemes Thema und für viele noch in weiter Ferne, auf der anderen Seite verlassen sich viele auf die Pflegepflichtversicherung oder ihre Angehörigen. Wo die Herausforderungen liegen und welche Lösungen es gibt, stellen wir Ihnen vor.

 

Als zum 01.01.1995 die gesetzliche Pflegepflichtversicherung als eigenständiger Baustein der Sozialversicherung eingeführt wurde, war die Erleichterung bei allen Beteiligten groß. Man glaubte die ideale Lösung zur Entlastung der Kommunen und der pflegenden Familien geschaffen zu haben.

Bereits zu diesem Zeitpunkt stand jedoch fest, dass die Pflegepflichtversicherung nicht das gesamte Pflegerisiko abdecken sollte, sondern dass sie als sogenannte „Teilleistungs-Versicherung“ konzipiert wurde. Das Pflegerisiko des Einzelnen sollte von den festen Zuschüssen der Pflegeversicherung zusammen mit den Leistungen aus der Altersvorsorge getragen werden.

Sinkendes Rentenniveau, steigende Kosten und neue Familienstrukturen

Nicht in die Überlegungen einbezogen wurde dabei das im Laufe der Zeit sinkende Rentenniveau, das zu einer immer größeren Lücke zwischen den Einnahmen der Pflegebedürftigen und den Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung führt. Aber auch die stetig größer werdende Kluft zwischen den realen Kosten und den Zuschüssen zur Pflege wurde nicht bedacht. Zwar steigen die Beiträge zur Pflegepflichtversicherung mit jeder Lohnerhöhung, da diese prozentual erhoben werden, die Kosten für Pflegeleistungen steigen mit durchschnittlich ca. 6 % p.a. jedoch deutlich schneller. Wie sehr diese Faktoren zum Problem geworden sind, lässt sich mit folgenden Zahlen verdeutlichen: 2016 bezog etwa jeder sechste Pflegebedürftige (Quelle: Statistisches Bundesamt) „Hilfe zur Pflege“ durch Sozialhilfe!

Der demografische Wandel – eine weitere Herausforderung

Daneben stellt der demografische Wandel die Pflegepflichtversicherung vor weitere Herausforderungen, denn sie ist, wie die anderen Sozialversicherungen, im Umlageverfahren finanziert. Das bedeutet, dass die entstehenden Kosten auf alle Beteiligten „umgelegt“ werden. Problematisch ist hier die höhere Lebenserwartung der Leistungsempfänger bei gleichzeitig weniger Beitragszahlern durch sinkenden Geburtenraten: Dem geburtenstärksten Jahrgang 1964 mit über 1.340.000 Kindern in beiden Teilen Deutschlands stehen lediglich 778.100 Neugeburten 2019 gegenüber (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass dieser Trend langfristig zu höheren Beitragssätzen und/oder zu sinkenden Leistungen führen wird.

Welche Produkte stehen zur Verfügung?

Zum Glück hält die private Versicherungswirtschaft eine Vielzahl von verschiedenen Angeboten bereit. Die folgende Übersicht über die einzelnen Absicherungsarten soll Ihnen einen kurzen Überblick geben. Grundsätzlich gilt hier die Maxime: Lassen Sie sich von einem fachkundigen Berater umfassend informieren!

  • Pflegekostenversicherung

Bei einer Pflegekostenversicherung beteiligt sich der Versicherer, im Rahmen der Bedingungen, an den tatsächlich entstandenen und nachzuweisenden Pflegekosten. Die Auszahlung von Leistungen ist zweckgebunden.

  • Pflegetagegeldversicherung

Pflegetagegelder sind bei der Pflegeabsicherung das meistverbreitete Produkt. Bei diesem erhält der Versicherte im Leistungsfall einen vereinbarten Geldbetrag, den er zur freien Verfügung ausgezahlt bekommt. Es handelt sich um reine Risikoversicherungen, was bedeutet, dass weder zwischendurch Entnahmen getätigt werden können, noch dass Geld zurückgezahlt wird, wenn der Versicherungsfall nicht eingetreten ist.

  • Pflege-Bahr

Diese Lösung, benannt nach dem damaligen Gesundheitsminister, stellt ein staatlich gefördertes Pflegetagegeld ohne Gesundheitsprüfung beim Abschluss dar. Davon ausgeschlossen ist lediglich, wer bereits pflegebedürftig ist oder schon einen Antrag auf Pflegeleistungen gestellt hat.

Wer einen Pflege-Bahr-Vertrag abschließt, kann von einer staatlichen Zulage in Höhe von 60 Euro im Jahr profitieren, sofern er selber mindestens 120 Euro im Jahr einzahlt, was einen monatlichen Mindestbeitrag von 15 Euro ergibt. Zu berücksichtigen ist, dass eine komplette Absicherung über den Pflege-Bahr im Normalfall nicht zu empfehlen ist. Verbraucherschützer sind der Meinung, dass nicht geförderte Produkte leistungsstärker und passgenauer sind. Pflege-Bahr-Produkte können aber als geförderte Ergänzung dienen.

  • Pflegerentenversicherungen

Die Anzahl an unterschiedlichen Tarifen zu selbstständigen Pflegerentenprodukten ist groß. Private selbstständige Pflegerenten sind Risikoversicherungen, die im Pflegefall eine lebenslange Rente bezahlen. Diese Produkte gibt es am Markt sowohl gegen Einmalbeitrag als auch mit monatlicher Beitragszahlung. Da die Tarife sehr unterschiedlich sind und man hier auf Details wie z.B. „Wer entscheidet im Pflegefall über die Leistungen?“ oder „Ist Demenz mitversichert?“ achten sollte, empfiehlt es sich auf alle Fälle, vor Abschluss einer privaten Pflegerentenversicherung einen Finanzexperten hinzuzuziehen.

Fazit

Das Pflegerisiko wird gerne verdrängt, kann aber zu einer starken finanziellen Belastung werden. Aus folgenden Gründen sollte dieses Thema daher unbedingt so früh wie möglich angegangen werden:

  1. Die Prämie für Versicherungslösungen wird durch das Eintrittsalter bestimmt. Je jünger, desto niedriger. Wer länger wartet, zahlt nicht nur einen höheren Monatsbeitrag, sondern auch in der Gesamtrechnung mehr Geld.
  2. Die meisten Versicherungslösungen sehen, abgesehen von wenigen Ausnahmen, eine Gesundheitsprüfung vor. Wer bis heute keine schwereren Krankheiten oder gesundheitlichen Einschränkungen hat, kann deutlich einfacher einen entsprechenden Vertrag abschließen.

Die staatlich geförderte Lösung Pflege-Bahr kann als Teil der Absicherung herangezogen werden. Nichtsdestotrotz ist es unerlässlich, zur Schließung der Versorgungslücke Lösungen aus der privaten Versicherungswirtschaft in Anspruch zu nehmen.

Damit Sie eine optimale Absicherung erreichen, ist es in jedem Fall empfehlenswert, einen Experten zu Rate zu ziehen. Wenden Sie sich hierzu an Ihre Family Bankerin, Ihren Family Banker®. Diese/r erklärt Ihnen die Details, auf die es ankommt, und achtet darauf, dass Sie die individuell passende Vorsorge abschließen, um im Fall der Fälle in Würde alt werden zu können.



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